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#25

Geschlagener

Förster, Wieland (1930-) | Bildhauer

02:35

Als 15-Jähriger musste Wieland Förster die Bombardierung Dresdens miterleben. Nach dem Krieg saß er wegen angeblichen Waffenbesitzes vier Jahre unschuldig in Haft. Er sah Menschen sterben und litt selbst Todesangst. Danach wollte er Zeugnis ablegen. Er wollte den „unmenschlich Dahingemordeten“ mit seiner Kunst ein Denkmal setzen. Als Wieland Förster 1989 den „Geschlagenen“ schuf, ahnte er nicht, dass diese Figur Jahre später in Leipzig zu einem Denkmal im wahrsten Sinne werden würde: zur Erinnerung an die Sinti und Roma, die von den Nationalsozialisten getötet wurden.

Die Haltung der zusammengekauerten Figur verkörpert Schmerz, Angst und Verzweiflung. Ihre runden, muskulösen Formen aber strahlen eine Energie aus, die ungebrochen scheint. Diese Ambivalenz ist charakteristisch für Försters Bild vom Menschen, das bei allem Leid immer auch etwas Kraftvolles, Vitales, Lebensbejahendes hat.

Ein Schlüsselerlebnis im Jahr 1960 hatte ihm bei der Suche nach einer Ausdrucksform für sein Menschenbild geholfen: Eines Nachts sah er ein Mädchen, das über ihm auf einer Treppe stand und mit erhobenem Kopf den Mond betrachtete. Förster nahm ihren Kopf als ei-förmiges Oval wahr. Die Erkenntnis war so stark, dass er fortan dieser Form vertraute und sie zum Grundelement seines Schaffens machte. Besonders deutlich sehen wir das beim „Kopf der Gelähmten“, dem Porträt einer Frau, die in unmittelbarer Nachbarschaft des Bildhauers in Berlin lebte. Wieland Förster bewunderte, wie diese Frau trotz aller Einschränkungen ihr Leben meisterte:

„Für sie war das Heizen ihres Ofens gefahrvoller als die Leistung vieler bestaunter ‚Helden‘. Und das ist es, was mich besonders interessiert“.

Wieland Förster war ein erfolgreicher Bildhauer, obwohl er nicht immer systemkonform gearbeitet hat. Sein „Kopf der Gelähmten“ und andere Leidensdarstellungen widersprachen dem geforderten optimistischen Menschenbild und brachten Förster 1968 ein Arbeits- und Ausstellungsverbot ein. In den 70er Jahren wurde er rehabilitiert.

Material & Technik
Bronze Guss: Werkstatt für Kunstguss Marc Krepp, Berlin
Museum
Skulpturensammlung
Datierung
1989 Guss vor 2002, Auflagenhöhe: 6
Inventarnummer
WF 044
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