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#242

Atelierszene

Heckel, Erich (1883-1970) | Maler

02:12

Kaum 3 Kilometer von hier entfernt, in der Dresdner Friedrichstadt, hat Erich Heckel 1911 dieses Bild gemalt. Sein Freund und Künstlerkollege Ernst Ludwig Kirchner hatte dort einen leerstehenden Schusterladen gemietet. Der Raum wurde ausstaffiert mit einem großen, leuchtend grünen Wandschirm, den die Maler mit einer Bordüre und einer hockenden Figur in tiefem Blau bemalten. An die Wand hängten sie einen gelben Vorhang, den sie mit grünen Medaillons verzierten. In jeder freien Stunde trafen sich die Künstler hier zum Zeichnen und zum Malen. Dabei waren oft junge Mädchen aus proletarischem Milieu, die die Künstler dafür bezahlten, nackt Modell zu stehen. Die Minderjährigkeit war für die Künstler damals kein Problem, heute ist unsere Sichtweise eine andere. Sie sahen das jugendliche Alter der Modelle als Garant für ungezwungene, natürliche Motive.

Zu dem Freundeskreis gehörten neben Heckel und Kirchner auch noch Max Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff. Letzterer hatte sechs Jahre zuvor, im Sommer 1905, die Idee, sich als Künstlergruppe „Brücke“ zu nennen. Der Name sollte Ausdruck der Zusammenarbeit und des gemeinsamen Aufbruchs zu neuen Ufern sein.

Und in der Tat betraten die Maler künstlerisches Neuland. Die starken Farben, unvermischt und flächig nebeneinander gesetzt, der Verzicht auf Perspektive, und nicht zuletzt die freizügigen Motive – dies alles schockierte die bürgerliche Welt des späten Kaiserreichs. Erst später erkannte man, wie sehr diese vermeintliche Anti-Kunst von tiefer Liebe zur Malerei und auch von großem handwerklichen Können getragen war. Wie es Heckel beispielsweise gelingt, der hinter dem Wandschirm vorlugenden Franziska Fehrmann, genannt Fränzi, mit wenigen schnellen Strichen momenthaftes Leben einzuhauchen, zeugt von großer Meisterschaft.

Material & Technik
Vorderseitig: Öl auf Leinwand, Rückseitig: Tempera auf Leinwand
Museum
Galerie Neue Meister
Datierung
undatiert
Inventarnummer
Inv.-Nr. 2016/07
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