Kind 1: Das sind aber kleine Sättel, gehörten die Kindern?
Christine Nagel: Die Sättel gehören zu einem holzgeschnitzten Pferd, das die Kinder des sächsischen Königshauses schon vor etwa 200 Jahren zum Spielen benutzten. Dieses Holzpferd steht auf einem Brett. Vielleicht hatte es früher einmal Räder, damit man es durchs Schloss ziehen konnte.
Kind 2: Also sind das Spielzeugsättel? Und ungefähr 200 Jahre alt?
Christine Nagel: Ja, man kann sich vorstellen, dass die Prinzessinnen und Prinzen das Pferd gern und viel genutzt haben, wie die Sättel verraten. Das Pferd ist heute im Museum für sächsische Volkskunst ausgestellt, die Sättel zeigen wir hier.
Kind 1: Der grüne Sattel hat so komische Hörner…
Christine Nagel: Das ist ein Sattel für Mädchen. Er unterscheidet sich von anderen Sätteln, wie man sie hier in der Rüstkammer findet z.B. der Sattel nebenan in der Vitrine. Die Reitart, bei dem die Beine rechts und links vom Pferderücken herabreichen, wird auch als Herrensitz bezeichnet. Er wurde vorwiegend von Männern benutzt.
Kind 2: Warum benutzten die Mädchen einen anderen Sattel?
Christine Nagel: In früheren Jahrhunderten trugen die Mädchen und Frauen zum Teil weite Kleider mit langen Röcken. Die waren sehr hinderlich bei der Reithaltung im Herrensitz. Erst im 18. Jahrhundert trugen einige Damen beim Reiten Hosen und konnten einen solchen Herrensattel verwenden.
Kind 2: Stimmt, heute reitet man ja auch in Reiterhosen. Und wie sind die Frauen mit ihren Kleidern dann früher geritten?
Christine Nagel: Für das Reiten mit Damenkleid gab zwei Möglichkeiten: entweder saßen die Frauen und Mädchen quer auf dem Pferderücken, so dass sie zur Seite schauten und quasi „nur“ sitzend transportiert wurden.
Oder aber - das ist die zweite Möglichkeit - sie benutzten einen besonders geformten Damensattel, bei dem man in Bewegungsrichtung des Pferdes schaut, der Unterkörper aber etwas zur Seite gedreht ist.
Von solcher Art ist der grüne Samtsattel. Man bezeichnet ihn auch als Gabelsattel, weil er zwei Hörner hat, die wie eine Gabel auseinandergehen.
Kind 2: Das klingt sehr ungemütlich, irgendwie auch ein bisschen gefährlich.
Christine Nagel: Die Frauen und Mädchen, die diesen Sattel verwendet haben, saßen seitlich darauf. Beide Beine zeigten zur linken Seite des Pferdes. Das linke Bein wurde nach unten gestreckt und im Steigbügel abgestützt. Das rechte Bein wurde hinter eines der Hörner geklemmt. Die Reiterin schaute nach vorn und konnte die Zügel und damit das Pferd selbst führen. Es brauchte sicherlich einiges an Übung, um sich so auf dem Pferde zu halten und es auch noch führen zu können.
Kind 1: Ach, darum ist nur ein Steigbügel dran…
Christine Nagel: Ja, da es sich um die Ausstattung für ein geschnitztes Holzpferd handelt, bei dem entweder ein Junge oder ein Mädchen auf dem Pferd sitzen konnte, teilten sie sich die vorhandenen zwei Steigbügel. Der Junge nutzte beide Steigbügel, das Mädchen nur einen, der zusätzlich mit einer Polsterung aus Leder und Samt versehen wurde.