Kind 2: Schau dir dieses Bild einmal an. Es sieht aus wie ein Kind…
Kind 1: Ein ziemlich großes Pferd für ein Kind… ist es vielleicht doch schon ein Mann?
Christine Nagel: Das ist der Kurprinz Johann Georg, also der älteste Sohn des Kurfürsten, der später einmal die Regierung in Sachsen übernehmen sollte. Er ist hier 12 Jahre alt und gemalt in der Haltung eines militärischen Führers oder eines Feldherrn.
Zu dem Zeitpunkt wurde er zwar in der Kriegskunst und dem Festungswesen ausgebildet, hatte aber selbst noch keine Erfahrungen im Krieg gesammelt.
Reiten und das Tragen eines Harnischs sowie den Umgang mit Blank- und Feuerwaffen erlernten die Prinzen bereits im jungen Alter, so dass es sich hier nicht um bloße Angeberei handelte. Gerade Johann Georg III. hatte offenbar ein großes Faible für das Kriegswesen. Er hat auch in seiner Regierungszeit mehrfach auf verschiedenen Kriegsschauplätzen mitgekämpft. Und war dabei ein recht erfolgreicher Feldherr. Seine bedeutendste Tat war sicherlich 1683 die Vertreibung der türkischen Truppen aus der Kaiserstadt Wien.
Übrigens: einer seiner Söhne wird August der Starke sein. Hier in diesem Raum findet ihr auch den Knabenharnisch, den August der Starke als 14jähriger bei seinen militärischen Übungen tragen musste.
Kind 2: Ich sehe auf dem Bild noch ein paar kleine Figuren in der linken oberen Ecke. Was machen die?
Christine Nagel: Das sind sogenannte Genien oder Putten: Kinderengel. Sie halten ein Wappen mit allen Teilen des Kurfürstentums Sachsen und den Kurhut in ihren Händen. Das soll darauf hinweisen, dass der junge Prinz später einmal die Herrschaft übernehmen wird.
Kind 1: … und ich sehe eine Tulpe
Christine Nagel: Die Tulpen waren im 17. Jahrhundert durch ihre Züchtungen hoch begehrt und sind hier wahrscheinlich als ein Hinweis auf den Reichtum des Herrscherhauses zu verstehen. Nur wer nicht aufs Geld schauen musste, konnte sich die teuren Blumenzwiebeln leisten und zeigt deren Pracht dann auch gern.