Kind 1: Da hat jemand seine Stiefel vergessen.
Kind 2: Das sind wirklich Stiefel. Die sehen alt aus.
Christine Nagel: Die Stiefel haben einer berühmten Person, nämlich dem Kaiser Napoleon Bonaparte I. von Frankreich gehört. Er war mehrfach in Dresden zu Besuch und hat den sächsischen Kurfürsten 1806 zum König gemacht.
Kind 1: Woher weiß man, dass die Stiefel Napoleon gehört haben?
Christine Nagel: Unter den Inventaren der Rüstkammer gibt es auch ein Büchlein aus dem 19. Jahrhundert, in dem die Schuhsammlung der Rüstkammer verzeichnet ist. Dort steht unter der Nummer 2: "Stiefel, welche Napoleon am Tage der Schlacht bei Dresden, den 27.ten August 1813 getragen [hat]." Daher wissen wir, dass die Stiefeln Napoleon Bonaparte, dem französischen Kaiser, gehört haben und er diese während einer Schlacht in der Umgebung von Dresden getragen hat.
Kind 2: Es gab eine Schlacht bei Dresden?
Drache: Die Zeit um 1800 war eine unruhige Zeit voller Kriege. Die Schlacht um Dresden fand am 26. und 27. August 1813 zwischen der französischen Armee unter Napoleon und Österreich, Preußen und Russland statt. Napoleon siegte zwar, aber es war einer seiner letzten Siege und sie kostete viele tausend Menschen das Leben. Wenige Monate später, im Oktober 1813 wurde Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig endgültig geschlagen.
Kind 2: Und wie kommen die Stiefel in die Rüstkammer?
Christine Nagel: Um 1800, also vor über 200 Jahren gab es in Dresden einen verrückten Sammler. Der hieß Peter Ludwig Heinrich von Block und war Baron. Er sammelte Mineralien, Kupferstiche, Schmetterlinge, Glasmalereien und auch Schuhe. Dazu bat er berühmte Männer und Frauen seiner Zeit um Schuhe oder erwarb sie über Kaufleute und Freunde. Er hat eine recht ansehnliche Zahl an Schuhen zusammengetragen.
Leider wurde ihm seine Sammelleidenschaft auch zum Verhängnis, denn der Baron von Block arbeitete als Inspektor im Grünen Gewölbe, das heißt er war dafür verantwortlich. Um seine eigenen Sammlungen finanzieren zu können, verkaufte er heimlich ein paar Dinge aus dem Grünen Gewölbe. Er wurde erwischt und eingesperrt.
Kind 2: Das ist eine verrückte Geschichte! Er hat Schätze aus dem Grünen Gewölbe geklaut, um für sich selbst etwas zu kaufen? Und was ist dann passiert?
Christine Nagel: Seine Sammlungen wurden aufgeteilt. Die Schuhsammlung wurde in die Rüstkammer gegeben und ein Verzeichnis angefertigt, das erhalten ist. Übrigens waren von Napoleon zwei Paar Schuhe dabei: ein paar reich bestickte Schuhe, die er bei seiner Kaiserkrönung trug, gehören zu den Kriegsverlusten der Rüstkammer. Nur die Stiefel sind erhalten.
Kind 1: Schau mal, die Schuhe sind schon kaputt. Da ist eine Naht offen.
Christine Nagel: Durch den Dauerregen hatten sich die Lederstiefel offenbar zusammengezogen. Das passiert manchmal bei Leder. Napoleon konnte sie nicht mehr einfach ausziehen – die Stiefel haben keinen Reißverschluss. Er ließ ca. 8 cm der Naht auftrennen, um herauszukommen.