Hersteller:in uns nicht bekannt
Geisterfigur
Asien, Russland, Amurgebiet
Vor 1889
Holz; geschnitzt
Sammlungskontext uns nicht bekannt
Von J. F. G. Umlauff (Ethnografikahandel) 1900 durch Kauf vom Museum erworben
NAs 1493
In der Vorstellung vieler Menschen der Nanai ist die Welt in verschiedene Ebenen geteilt und wird von guten und bösen Geistern und Mischwesen bewohnt. Die mittlere dieser Ebenen ist die der Menschen. Die Ebenen beeinflussen sich gegenseitig; daher wird das tägliche Leben hinsichtlich des Umgangs mit den Geistern von einer Vielzahl von Verhaltensregeln und Tabus bestimmt. So können Geister beispielsweise Krankheiten auslösen.
Schaman:innen dienten als Mittler:innen zwischen der menschlichen Gemeinschaft und den Geistwesen. Bei seinen Reisen ins Jenseits und im Kontakt mit Geistern, stehen dem/der Schaman:in Schutz- und Hilfsgeister als Führer, „Leibwächter“ und Ratgeber zur Seite. Sie verfügen über außerordentliches Wissen und Macht und treten in menschlicher und tierischer Gestalt auf. Sie können sich, je nach Situation, vielfach auch verwandeln. Außerdem dienen sie dem/der Schaman:in als Transportmittel auf ihren Reisen. Die Schutz- und Hilfsgeister erwählen den/die Schaman:in, stellen sich in seinen/ihren Dienst und stehen von nun an in freundschaftlicher Verbindung zu ihm/ihr. Umso mehr Schutz- und Hilfsgeister ein:e Schaman:in hat, umso stärker und weiser ist er/sie selbst. Gleichzeitig ist der/die Schaman:in auch von der Gunst der Geister abhängig und muss ihren Forderungen nachkommen.
Geisterfiguren wie diese wurden im Haus aufgestellt, bekamen regelmäßig Essen dargebracht und im Falle von Krankheit oder anderem Ungemach um Hilfe ersucht.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, erwarb das Museum eine größere Sammlung von Objekten aus dem Amurgebiet – darunter diese Geisterfiguren – von dem Hamburger Naturalien- und Ethnographika-Händler Heinrich C. Umlauff. Eine wichtige Bezugsperson für den jungen Heinrich war sein Onkel Carl Hagenbeck, der bekannte Tierhändler, Zoodirektor und Betreiber sogenannter „Völkerschauen“. So übernahm Heinrich zunächst den völkerkundlichen Teil und schließlich die gesamte väterliche Firma. Von Hamburg aus, das sich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem Zentrum des Naturalien- und Ethnographika-Handels entwickelt hatte, belieferten er und weitere Händler wie Godeffroy zahlreiche renommierte Museen der Welt.
Marita Andó, Irma Schubert