Hersteller:in uns nicht bekannt
Geisterfigur „Aimi“
Asien, Russland, Nanayskiy Rayon
Ende 19. Jh.
Holz; geschnitzt
Sammlungskontext uns nicht bekannt
Von J. F. G. Umlauff (Ethnografikahandel) 1900 durch Kauf vom Museum erworben
NAs 430
In der Vorstellung vieler Menschen des Amurgebietes ist die Welt in verschiedene Ebenen geteilt und wird von guten und bösen Geistern und Mischwesen bewohnt. Die mittlere dieser Ebenen ist die der Menschen. Die Ebenen beeinflussen sich gegenseitig; daher wird das tägliche Leben hinsichtlich des Umgangs mit den Geistern von einer Vielzahl von Verhaltensregeln und Tabus bestimmt. Geister können beispielsweise Krankheiten auslösen. Ein:e Schaman:in versucht als Mittler:in für den betroffenen Menschen mit den entsprechenden Geistern in Kontakt zu treten, um sein oder ihr Problem zu lösen.
Die hier ausgestellte Geisterfigur „Aimi“ ist aus Holz geschnitzt und mit einem Ledermantel mit Fransen bekleidet. Die Figur wird als Behälter des Geistes verstanden, den dieser beziehen kann. Bei dem Stück könnte es sich um einen Haus(schutz)geist handeln, dessen Figur im Haus gelagert, regelmäßig Essen dargebracht und im Falle von zum Beispiel Krankheit um Hilfe ersucht wurde. Die Anfertigung solcher Geisterfiguren richtete sich nach den Träumen der Schaman:innen.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erwarb das Museum eine größere Sammlung von Objekten aus dem Amurgebiet – darunter diese Geisterfiguren – von dem Hamburger Naturalien- und Ethnographika-Händler Heinrich C. Umlauff. Eine wichtige Bezugsperson für den jungen Heinrich war sein Onkel Carl Hagenbeck, der bekannte Tierhändler, Zoodirektor und Betreiber sogenannter „Völkerschauen“. So übernahm Heinrich zunächst den völkerkundlichen Teil und schließlich die gesamte väterliche Firma. Von Hamburg aus, das sich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. zu einem Zentrum des Naturalien- und Ethnographika-Handels entwickelt hatte, belieferten er und weitere Händler wie Godeffroy zahlreiche renommierte Museen der Welt.
Marita Andó, Irma Schubert