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Bericht des Amtsverwalters Johann Jenisch über die schwedische Belagerung und Zerstörung der Stadt Pegau

8. Dezember 1644

Gelesen von Ahmad Mesgarha

03:56

Die seit einer geraumen Zeit um Bernburg gelegene schwedische Armee hat sich der Stadt Pegau genähert. Am 3. Dezember haben die Truppen sich in den umliegenden Dörfern nicht nur einquartiert, sondern solche auch total ruiniert. Der schwedische Feldmarschall schickte am 4. Dezember vergeblich zwei Boten an den Obristen Gersdorff ab, dass ihm die Stadt ohne Kampf abgetreten und übergeben werden solle. Am 5. Dezember gegen drei Uhr morgens begannen sie mit glühenden und anderen Feuerkugeln, Granaten, Feuerballen sowie großen Steinen den Beschuss der Stadt, der ohne Unterbrechung bis mittags andauerte. Und obwohl anfänglich sicherlich feißiger hätte gelöscht werden können, so mangelte es doch letztlich schlichtweg an Leuten. Denn weil die Bürgerschaft auf den Posten stand und diese auch nicht verlassen konnte, konnten die Menschen beim Löschen ihrer Häuser nicht Hand anlegen. Hinzu kam, dass die glühenden Kugeln von drei Seiten in die 70 Scheunen felen, die mit Getreide und Stroh gefüllt waren. Bald standen sie alle in lodernden Flammen und alles Abwehren war vergeblich und mit menschlichen Kräften unmöglich. Dann erhob sich aus Richtung Abend ein großer Wind und der wurde Stunde um Stunde immer stärker. Deshalb ging das Feuer auf allen Seiten an und kein Mensch konnte sich vor der mächtigen Glut, vor dem dicken Dampf, vor den Funken und vor der Asche, welche nun von allen Ecken hin- und hergetrieben wurde, verstecken.

Es wäre kein Wunder gewesen, wenn viele Leute, alt und jung, erstickt wären. In diesem schrecklichen Hauptfeuer ist auch das Amtshaus mit seinen zugehörigen Gebäuden niedergebrannt und in Asche gelegt worden. Dabei habe ich meinen und meiner Familie Vorrat ganz verloren. Des Weiteren ist der Oberkeller, über dem die Korn- und Schuttböden gestanden haben, sowie der Turm am Rathaus mit der Glocke zusammengestürzt und alles fel auf den Weinkeller. Das hat die Stuben und Kammern heftig beschwert und auf die unteren Gewölbe gedrückt. Am nächsten Tag stürzte alles ein und an die 50 Personen mit ihren Kindern, die des Nachts in den Stuben Schutz suchten, wurden teils verletzt, teils erschlagen. […]

Die feine Stadt Pegau ist also Wohnung der Hunde und Raben geworden und wird so zu Gottes des Herrn Strafe in dieser Weise – fast jeden Morgen neu.

Quelle: HStA Dresden, 10024 Geheimer Rat, Loc. 9261/15, fol. 1r–4v

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